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Unterwerfung


Michel Houellebecq | Schauspiel

Unterwerfung
nach dem Roman von Michel Houellebecq
aus dem Französischen von Norma Cassau und Bernd Wilczek
für die Bühne eingerichtet von Janine Ortiz

Der „spezifischen Besonderheit der Literatur, der hohen Kunst der vor unseren Augen untergehenden westlichen Welt“, fügt Houellebecq mit seinem satirischen Roman „Unterwerfung“, ein gewichtiges Stück hinzu. Dabei ist „Unterwerfung“ oder auch „Hingabe“ die wörtliche Übersetzung von „ISLAM“, um dessen Macht und Einfluss im Frankreich des Jahres 2022 es in diesem Roman und in der Bühnen-Adaption geht. Um den Sieg der Kandidatin des rechten Front National, Marine Le Pen, bei der Präsidentenwahl zu verhindern, schließen sich die Sozialisten mit der „Bruderschaft der Muslime “ zusammen und verhelfen so dem charismatischen (fiktivem) Politiker Mohamed Ben Abes ins Amt des Staatspräsidenten. Kaum an der Macht, ändert er die laizistische Verfassung, beschneidet die Rechte der Frauen drastisch, führt die Scharia, das Patriarchat und die Polygamie ein.

All das erfahren wir aus der höchst subjektiven Erzählperspektive des Literaturwissenschaftlers Francois, der sich gerade in einer dramatischen Midlife -Crisis befindet, und ganz persönlich von den gesellschaftlichen Umbrüchen betroffen ist: seine jüdische Freundin flieht nach Israel, die Sorbonne, sein Arbeitsplatz, wird islamisiert und man versetzt ihn kurzerhand in den Ruhestand, da nur muslimische Professoren zugelassen werden. Allerdings könnte er zurückkommen, falls er zum Islam konvertiert, wie schon andere Kollegen – allerdings nicht gerade die besten. Das Angebot hat durchaus verführerische Aspekte: dreifaches Gehalt wird ihm versprochen, die schönsten und unterwürfigsten, blutjungen Gespielinnen würden ihm neben reifen Haushaltsführerinnen von erfahrenen Heiratsvermittlerinnen zugeführt und beide – Huren und Kochtopffrauen – stünden bereit für die Produktion elitärer Nachkommen – Polygamie zur Beförderung einer natürlichen Selektion. Die Tatsache, dass im Hörsaal kaum noch weibliche Wesen säßen und wenn überhaupt, dann mit Burka verhüllt, würde ihn, den eingefleischten Macho, nicht weiter stören, denn er „hielt es eigentlich nie für eine gute Idee, Frauen das Wahlrecht zu geben, sie zu den gleichen Studiengängen und Berufen zuzulassen“, erklärt er lange vor der Islamisierung. Jetzt muss er sich entscheiden: „Es wäre die Chance auf ein zweites Leben“, sinniert Francois am Ende im Konjunktiv.

Die Bühnenfassung – die von Dresden übernommen wird – bleibt ganz nah am Romantext, begleitet ihn allerdings durch eine Video-Visualisierung. Authentische Aufnahmen von Wahl- und Straßenkämpfen werden schein-synchronisiert: d,h. die deutsch eingesprochenen Texte sind Houellebecq-Texte, es entsteht gleichsam eine Dokumentar-Fiktion. Das entspricht der Großzügigkeit, mit der auch der Autor Authentisches mit Fiktivem in künstlerischer Freiheit vermengt und uns so zwischen Provokation, Ironie und böser Utopie allein zurücklässt.

Politische Brisanz erhielt diese Polit-Satire durch die Tatsache, dass am Erscheinungstag des Romans, am 7. Januar 2015, der Terroranschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo verübt wurde, das die aktuelle Ausgabe mit Houellebecq getitelt hatte.
Regie: Malte C. Lachmann - Dramaturgie: Janine Ortiz - Video: Robert Lehniger
In der Hauptrolle: Christian Erdmann
Premiere: 4.Dezember 2016 – CENTRAL – Kleine Bühne

Text: Christa Fluck

Pressestimmen:
Rheinische Post
Dorothee Krings, 08.12.2016
»Bei Houellebecq geschieht die Unterwerfung überaus geschmeidig. Das Theater ist ein guter Ort, um sich das anzusehen.«

Westdeutsche Zeitung
Marion Troja, 08.12.2016
»Ein Abgesang auf die Werte, auf die sich die europäischen Demokratien und die Intellektuellen bislang berufen haben. Der Schauspieler Christian Erdmann führt das in unförmiger Cordhose und mit zerrauften Haaren ziemlich unterhaltsam vor. Gut und stimmig.«

nachtkritik.de
Esther Slevogt, 06.03.2016
»Eine überzeugend kondensierte Theaterversion des Stoffs.«

Unterwerfung

David Baltzer



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25. Oktober 2019