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Tartuffe oder Der Betrüger


Molière | Schauspiel | Central Große Bühne

Tartuffe oder der Betrüger
Komödie von Molière

„Sich mit den lächerlichen Zügen der Menschheit zu befassen und die Gebrechen, die alle Welt hat, auf dem Theater angenehm zu machen“, nannte Molière das Ziel seiner Kunst und ging in nahezu programmatischer Konsequenz die menschlichen Laster und Schwächen an. Ob Scharlatanerie, Heuchelei, Erbschleicherei, Frömmelei, Naivität, Dummheit, Geiz oder Misanthropie, mit scharfem Verstand und Wortwitz schuf Molière dazu zeitlose Figuren, zugespitzte Charaktere, mal komisch, mal tragikomisch.
Mit Tartuffe gelang Moliere ein Meisterwerk der Verskunst, der Personen-Charakteristik und Handlungskonzentration. Allerdings machte er sich damit die Geistlichkeit zum Feind. Die Scheinheiligkeit und heuchlerische Frömmelei des am Ende entlarvten Protagonisten betrachtete man weithin als Angriff auf Religion und Kirche und tatsächlich wurde das bereits 1664 verfasste Stück erst im Jahr 1669 in einer dritten, abgeschwächten Fassung (die als einzige erhalten ist) von der Zensur zur Aufführung freigegeben. Und das auch nur nach Intervention Ludwigs XIV. Die Feindschaft des Klerus hielt über den Tod des Dichters (1673) hinaus an, so dass man ihm ein christliches Begräbnis verweigern wollte, auch hier musste der König eingreifen.
Gleich im ersten Akt werden die beiden Lager im Stück deutlich geschieden. Obwohl Tartuffe (Christian Erdmann) selbst erst im 3. Akt auftritt, wird seine Figur mit anschaulichen Worten in brillanten Versen klar umrissen. Als purer Heuchler, scheinheiliger Duckmäuser, eifersüchtiger Verleumder, dick und fetter Leisetreter und Tyrann wird er von denen, die ihn durchschauen, charakterisiert. Dazu gehören alle Familienmitglieder und Bediensteten außer dem Hausherrn Orgon (Torben Kessler) und dessen Mutter Pernelle (Karin Pfammatter), die beide geradezu besessen sind von der dämonischen Macht des Eindringlings, der es mit planvoller Bosheit und hypnotischer Schläue wagt, den naiven, ahnungslosen Hausherrn um sein Hab und Gut zu bringen. Es bedarf dreier Anläufe, den Betrüger und Verführer zu entlarven, der aber auch nach seiner Entdeckung sein böses Spiel nicht aufgibt, bis dann letztendlich nur durch die Intervention des Königs – der als „deus ex machina“ in Gestalt seines Offiziers eingreift - bei Molière alles zum guten Komödien-Ende gelangt.
Nicht so in der Düsseldorfer Inszenierung. Dort haben der Regisseur Robert Gerloff und der Chefdramaturg des Hauses Robert Koall Rollen und Texte in der Schlussszene eigenmächtig vertauscht und ergänzt und so einen überraschenden Ausgang geschaffen.


Regie: Robert Gerloff
Mit u. a.: Claudia Hübbecker, Cennet Rüya Voß, Minna Wündrich, Stefan Gorski, Kilian Land, Jan Maak

Premiere: 14. April 2018 – CENTRAL – Große Bühne

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