Bitte Berühren!

Tony Cragg - Please touch
Foto: Anne Orthen
Tony Cragg - Please touch
Foto: Anne Orthen

Mit der Art:Card zu erleben: Tony Craggs Werke dürfen angefasst werden

„Please Touch!“ - das Berühren von Skulpturen mit den Händen ist derzeit im Düsseldorfer Kunstpalast erwünscht. Der Bildhauer Tony Cragg zeigt Skulpturen – und die darf die Besucherin und der Besucher nicht nur anschauen. Da ertastet man Travertin genauso wie Holz und auch Bronze. Mit der Art:Card ist da bequem etwas Besonderes zu erleben.

Es hat etwas Magisches. Im religiösen Umfeld jedenfalls. Das Berühren von Skulpturen. Zum Beispiel im Petersdom in Rom. Das Berühren des rechten Fußes der Bronzestatue des heiligen Petrus verheißt Glück und Gesundheit. Anders sieht es in Museen aus. Dort ist es verpönt, Skulpturen zu berühren. Man fürchtet um deren Erhaltung. Schließlich sind die Berührungen nicht spurenfrei – bei patinierter Bronze scheint irgendwann dann das Güldene des Metalls durch.

Anders ist es jetzt im Museum Kunstpalast. Dort ist das Berühren der Skulpturen ausdrücklich erlaubt. Tony Cragg, englischer Bildhauer, Jahrgang 1949, bis 2016 Professor und einige Jahre sogar Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie, zeigt 60 seiner Skulpturen. Sie sind zum Berühren freigegeben. Das hat seinen haptischen Reiz, mal fühlt sich ein Material kalt an, ein anderes sanft und seidig, ein weiteres ganz glatt.

„Es gibt kaum jemanden, der die Skulpturen von Tony Cragg nicht berühren möchte. Dass dies in einem Museum normalerweise nicht möglich ist, hat gute Gründe“, sagt Felix Krämer. Der Generaldirektor des Kunstpalastes: „ Es ist unsere Aufgabe, Kunstwerke zukünftigen Generationen zu bewahren. Berührung aber hinterlässt Spuren und Schäden durch Abrieb oder chemische Reaktionen. Die gezeigten Skulpturen stammen direkt vom Künstler und werden im Anschluss an die Ausstellung durch Tony Cragg überarbeitet.“

Für Cragg selber zählt der visuelle Eindruck. Er habe zwar die Arbeiten bei ihrer Erschaffung in den Händen, allein weil er ja das Material bearbeite. „Ist eine Arbeit fertig, verspüre ich selbst nicht mehr das Bedürfnis, sie anzufassen.“

Die visuelle Auseinandersetzung mit den Skulpturen, die von weitem mit ihren sinnlichen Formen anziehen, eröffnet Sichtweisen nicht nur auf die Formenvielfalt von Craggs Werken. Da erkennt man beim näheren Hinsehen, dass ein wie ein Korallenstamm aussehendes Gebilde eine Vielzahl von Händen emporstreckt. Oder die Bronze „The Wave“ von 2022. Sie zeigt bei naher Betrachtung eine große Meereswoge, die aus vielen Leibern besteht.

Mit Hand und Auge ist wahrlich die Welt der Craggschen Kunst zu entdecken. Am Ende der Skulpturenschau gibt es zudem einen Einblick in Craggs Atelier. Im letzten Raum des Rundgangs sind Regale aufgebaut, die Materialien und dazu auch Entwürfe vorführen. Hier ist man in die normale Museumswelt zurückgekehrt. Nur anschauen, „bitte nicht berühren“, lautet die Anweisung zu diesem Kapitel der Auseinandersetzung mit Tony Craggs sehr sehenswerter und zu berührender Kunst.

Dr. Ulrich Erker-Sonnabend

Tony Cragg. Please Touch! Kunstpalast. Bis zum 26. 5. 2024.


Foto: Tony Cragg mit Besucherinnen seiner Ausstellung. Foto: Kunstpalast/Anne Orthen

Samstag, 16.03.2024

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Letzte Aktualisierung: 18.06.2024 19:15 Uhr     © 2024 Theatergemeinde Düsseldorf | Grabenstraße 8 | 40213 Düsseldorf